KI im Betrieb: Was KMU und Verwaltungen jetzt regeln müssen

Die ehrliche Ausgangslage: In den meisten Organisationen wird künstliche Intelligenz bereits täglich genutzt – nur weiss es niemand offiziell. Mitarbeitende lassen E-Mails umformulieren, Protokolle zusammenfassen oder Offerten übersetzen. Das Phänomen hat einen Namen: Schatten-KI. Und es ist kein Disziplinproblem, sondern ein Führungsthema.

Warum das ein Risiko ist

Wer einen Vertragsentwurf, ein Bewerbungsdossier oder ein Arztzeugnis in ein öffentliches KI-Tool kopiert, gibt Personendaten an einen Drittanbieter weiter – häufig mit Verarbeitung ausserhalb der Schweiz. Für besonders schützenswerte Personendaten nach DSG ist das ohne Rechtsgrundlage und Information der Betroffenen nicht zulässig. Für Verwaltungen und Schulen gilt zusätzlich kantonales Datenschutzrecht, das oft noch strenger ist. Dazu kommen Geschäftsgeheimnisse: Was einmal in ein fremdes System eingegeben wurde, lässt sich nicht zurückholen.

Verbieten funktioniert nicht

Der Reflex, KI-Tools zu sperren, verlagert das Problem nur aufs private Smartphone – dorthin, wo Sie gar keine Kontrolle mehr haben. Sinnvoller ist ein klarer Rahmen: erlauben, was hilft, und regeln, was schützt.

Fünf Leitplanken, die sich bewährt haben

1. Erlaubte Werkzeuge definieren. Legen Sie fest, welche KI-Dienste genutzt werden dürfen – idealerweise Unternehmensversionen mit Vertrag, Datenschutzzusicherungen und ohne Training auf Ihren Daten.

2. Datenklassen festlegen. Eine einfache Ampel genügt: öffentliche Informationen sind unkritisch, interne Daten nur in freigegebene Tools, Personendaten und Geschäftsgeheimnisse gar nicht – ausser das Tool ist explizit dafür freigegeben.

3. Ergebnisse prüfen und kennzeichnen. KI-Ausgaben sind Entwürfe, keine Wahrheiten. Wer sie verwendet, bleibt für den Inhalt verantwortlich – das gehört schriftlich festgehalten.

4. Verantwortung benennen. Eine Person oder Stelle beantwortet Fragen, prüft neue Tools und hält die Regeln aktuell. Ohne Ansprechperson verstaubt jede Richtlinie.

5. Kurz schulen statt lang dokumentieren. Eine Seite Richtlinie plus 30 Minuten Schulung wirken mehr als ein 20-seitiges Reglement, das niemand liest.

Fazit

Eine KI-Richtlinie ist in wenigen Wochen erarbeitet und kostet einen Bruchteil dessen, was ein einziger Datenabfluss an Aufwand und Vertrauensverlust auslöst. Der beste Zeitpunkt dafür war gestern – der zweitbeste ist jetzt.

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